Total hilflos

Hier können Betroffene, Angehörige und FreundInnen alle Fragen zu dem Thema Beratung stellen. Egal, ob du wissen möchtest, wie ein Beratungsgespräch abläuft, wo die nächste Beratungsstelle bei dir vor Ort ist oder du dir eine Ersteinschätzung zu deiner Situation holen möchtest – wir Beraterinnen beantworten gern alle deine Fragen.

Moderator: Therapienetz

Sanni82
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Total hilflos

Beitragvon Sanni82 » So 24. Jan 2016, 21:21

Hallo,

ich mache mir große Sorgen um meine kleine Schwester (15). Sie leidet an Magersucht seit ca. 1 1/2 Jahren. War zwischendurch 7 Monate in einer KJP, jetzt geht alles von vorn los. Sie hat einen BMI von [x], hat ganz schlechte Herzwerte, rennt den ganzen Tag und ihr Gewicht sinkt immer mehr. Zur Zeit ist sie in der Kinderklinik in Jena. Die Ärzte meinen, sie braucht dringend psychiatrische Hilfe, aber keine Einrichtung nimmt sie mit ihrem gesundheitlichen Zustand. Sie lehnt jegliche Hilfe und Medikamente ab. Meine Mutter hat schon sämtliche Kliniken abgeklappert. Jeder schickt uns woanders hin. Wir wissen nicht mehr weiter! Gibt es nicht eine KJP in Thüringen, die auch eine Notfallversorgung macht. Wir können Sie doch nicht einfach sterben lassen. Wo können wir uns noch hinwenden?

Liebe Grüße
Susanne

Therapienetz
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Re: Total hilflos

Beitragvon Therapienetz » Mo 1. Feb 2016, 10:04

Hallo Susanne,

ich kann deine Verzweiflung und Ohnmacht sehr gut verstehen und natürlich darf deine Schwester nicht einfach so sterben. Leider kann eine Magersucht bzw. die körperlichen Folgen (Herz-Rhythmus-Störungen) in bis zu 4% der Fällen zum Tod führen. Daher ist es genau richtig, dass deine Mutter und du euch über sämtliche Möglichkeiten und Unterstützungsformen informiert!

Grundsätzlich gibt es Kliniken, die die Möglichkeit haben mit richterlichem Beschluss auch gegen die Wünsche deiner Schwester zu handeln. Dies geht aber nur bei akuter Gefahr für deine Schwester. Dann gibt es Kliniken, bei denen deine Schwester aktiv an ihrer Krankheit arbeiten muss und von sich aus etwas verändern möchte.

Da unsere Beratungsstelle in München ist, kenne ich die Kinder- und Jugendpsychiatrie-Angebote vor Ort nicht sehr gut. Mir ist bekannt, dass die UNI Klinik in Jena eine psychiatrische Abteilung hat und auch mit Essstörungen arbeitet. Zudem gibt es die Klinik am Korso und die Seepark Klinik.

Sprecht euch mit den Ärzten vor Ort ab und schaut, welche Angebote für deine Schwester am Besten passen. Die Ärzte kennen in der Regel die Kliniken und Möglichkeiten sehr gut. Wichtig ist aber auch zu wissen, Ärzte/Therapeuten können nur begrenzt helfen. Wenn deine Schwester sämtliche Hilfe, Medikamente oder Therapien ablehnt, ist der Klinikaufenthalt nur bedingt erfolgreich und es besteht die große Gefahr, dass sie nach dem Klinikaufenthalt zurück in die Essstörung rutscht. Daher ist es wichtig, dass deine Schwester an ihrer Situation etwas verändern möchte. Vielleicht kann sie eine dieser Fragen ja motivieren:
Was hält sie an der Essstörung? Wie profitiert sie davon (ich weiß, das ist eine paradoxe Frage)? Was würde sie verlieren, wenn sie die Essstörung aufgibt? Wie sieht sie ihr Leben in drei Jahren? Immer noch in der Klinik?

Viele Beratungsstellen bieten auch die Unterstützung für Angehörige an. Auch bei der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung könnt ihr euch weitere Informationen holen. Wir bieten an unserer Beratungsstelle auch Telefonberatung an.

Ich wünsche dir für die kommende Zeit sehr viel Kraft, Mut und Hoffnung.
Ruth Einstein
- Beraterin im Therapienetz Essstörung, München -


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