Keiner versteht mich

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Moderator: Therapienetz

Aschenbuttel

Keiner versteht mich

Beitragvon Aschenbuttel » So 12. Mär 2017, 18:01

Hallo Frau Einstein,

vielen Dank für Ihre lieben Worte. Ich habe jetzt die neue Stelle angenommen und leider noch keinen Therapieplatz. Ich bin auf der Warteliste bei einer Traumatherapeutin und ab Mai wurde mir ein Therapieplatz versprochen. Bis jetzt war ich ganz zufrieden, obwohl schon einige belastende Situationen aufgetreten sind. Ich hab sehr nette Kollegen und fühle mich in dem Team ganz wohl, auch finde ich es super nur noch 30 Stunden arbeiten zu müssen und genauso viel zu verdienen wie bei meiner letzten Arbeitsstelle und die war Vollzeit. Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Allerdings soll meine Stelle jetzt auf Vollzeit aufgestockt werden. Das heißt ich bekomme einen neuen Arbeitsvertrag und der ist dann erstmal befristet. Jetzt habe ich einen unbefristeten Vertrag für 30 Stunden. Eigentlich würde ich lieber den unbefristeten Vertrag behalten, aber ich hab mir nichts sagen trauen. Stattdessen kommen jetzt große Zweifel, ob es wirklich die richtige Arbeit für mich ist, auf einmal sehe ich alles negativ. Außerdem habe ich Angst, dass die Therapeutin mich dann im Mai auch nicht nimmt, weil sie vielleicht keine Abendtermine frei hat. Mir ist so zum Heulen und gleichzeitig denke ich, dass ich total faul bin, weil ich nicht mehr Vollzeit arbeiten will. Ich hab mich jetzt gestern schon wieder auf eine andere Arbeitsstelle beworben und das dann auch noch meiner Mutter erzählt. Eigentlich soll ich meiner Mutter nichts mehr erzählen, aber das gelingt mir grad nicht. Jedenfalls hat sie sich furchtbar aufgeregt, dass ich jetzt schon wieder die Arbeitsstelle wechseln will und ich bräuchte einen Mann, der mich versorgt, da das Arbeitsleben wohl zu hart für mich sei. Ich bin dem einfach nicht gewachsen. Ich kann aber keine Nähe zulassen, weil ich in meiner Kindheit ein traumatisches Erlebnis hatte. Davon will meine Mutter gar nichts wissen. Angeblich bilde ich mir alles nur ein. Ich hätte auch lieber einen Mann und Kinder, wie im Berufsleben immer wieder von vorne anfangen zu müssen. Aber auf der anderen Seite möchte ich nicht so enden wie meine Mutter. Todunglücklich, weil sie sich immer nur der Familie gewidmet hat. Sie hat alles für uns aufgegeben und dann ist aus mir nicht mal was geworden, besser gesagt, ich bin krank geworden und das obwohl sie immer alles für mich getan hat. Aus mir wird wohl auch nie was werden. Ich fühl mich wie ein Fähnchen im Wind. Ich habe ständig Angst, die Kontrolle über meine Gefühle zu verlieren und zusammenzubrechen. Es ist soviel, was mich belastet und traurig macht. Aber wenn ich jetzt zusammenbrechen würde, dann käme ich nie mehr auf die Beine. Ich hab schon soviel verpfuscht in meinem Leben, das kann man gar nicht alles wieder gut machen. Und dann jeden Tag noch der Kampf mit dem Essen, das raupt soviel Energie und Kraft.

Liebe Grüße
Aschenbuttel

Therapienetz
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Re: Keiner versteht mich

Beitragvon Therapienetz » Sa 15. Apr 2017, 13:52

Liebe Aschenbuttel,

ich finde es mutig, dass du den neuen Job angenommen hast und es ist schön, dass du dich da zunächst auch wohl gefühlt hast. Ich frage mich gerade, an welcher Stelle dies gekippt ist und du angefangen hast zu denken, dass der Job nicht zu dir passen würde... Dein Bedürfnis hast du gut gespürt, du möchtest weiterhin 30 Stunden arbeiten und den unbefristeten Job behalten. Irgendetwas scheint dich da durcheinander gebracht zu haben, bzw. der Mut verlassen zuhaben, dies anzusprechen. Gibt es die Möglichkeit, dass du den Job mit den 30 Stunden behalten kannst?
So wie du die Situation beschrieben hast, spürst du deine Bedürfnisse, bist in deren Umsetzung jedoch leicht zu verunsichern.
Du schreibst: Sie hat alles für uns aufgegeben und dann ist aus mir nicht mal was geworden, besser gesagt, ich bin krank geworden und das obwohl sie immer alles für mich getan hat.
Mir kam der Gedanke, dass deine Mutter zu Hause geblieben ist, ist und war nicht deine Entscheidung, sondern die deiner Mutter. Dir dies hinterher vorzuhalten scheint mir unfair zu sein. Die Dynamik zwischen dir und deiner Mutter scheint eine wichtige Rolle zu spielen.

Du kennst dich sehr gut und weißt, was du für dich brauchst. Welche Unterstützung brauchst du, um deine Anliegen erfüllen zu können?

Viele Grüße und ich hoffe ebenfalls, dass es mit der Therapeutin klappt.
Ruth Einstein
Beraterin im Therapienetz Essstörung, München


Zuletzt als neu markiert von Anonymous am Sa 15. Apr 2017, 13:52.


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