Refeeding-Kost und ...

Wir beantworten Fragen zur stationären Behandlung von Essstörungen.

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Lunette

Refeeding-Kost und ...

Beitragvon Lunette » Do 21. Jul 2016, 11:44

Hallo liebes Parkland-Team,

hier im Forum gab es vor einer Zeit das Thema "Fragen zum Aufenthalt". Demnach gibt es Ihrer Klinik Refeeding-Kost. Was ist das? Essen, mit dem man bei Magersucht schnell viel zunimmt? Oder Essen, das angeboten wird, um ein Refeeding-Syndrom zu verhindern oder sobald ein Refeeding-Syndrom vorliegt?

Bei mir ist die Magersucht chronisch und ich war in gleichen Abständen in 3 Kliniken. Bei meinem letzten Klinikaufenthalt wurde auch diagnostiziert, dass ich unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leide. Wegen beidem habe ich seit 1 Jahr den Gdb 50. Was war zuerst da? Heute sehe ich das so: zuerst die PTBS aufgrund von häuslicher Gewalt gravierend erlebt ab der Grundschule, dann selbstverletzendes Verhalten, indem ich mich selbst schlage und beiße. Dieses Symptom verschwand dann und ich wurde magersuechtig. Wie gehen Sie auf die Ursache der MS in Ihrer Therapie ein?

Ich weiß, dass Sie mich letztlich auf Ihre Aufnahmeabteilung verweisen werden, wo es um individuelle Vereinbarungen geht. Dennoch vorab: Hatten Sie auch schon den Fall, dass Patientin anfangs sagt, ich esse regelmäßig 3 Mahlzeiten, ausgewogen aber ich muss die Zunahme kontrollieren, weil ich es schwer ertrage, also die Zunahmepflicht moderat und linear gefasst wird. Und die Klinik sagt, OK, wir vertrauen dir, wir bieten Hilfe an, aber ueben keinen Zwang aus. Bei mir ist es gerade so, dass ich mein sehr niedriges Gewicht brauche, um mich stark zu fühlen. Dennoch macht es mir Angst, weil Hungern eigentlich nicht angenehm ist und ich so nach meiner Umschulung kein Arbeitsstelle mit gutem Gefühl antreten kann, wenn ich überhaupt noch etwas finde.

Ich freue mich sehr über Ihre Antwort
Viele Grüße

Parkland
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Re: Refeeding-Kost und ...

Beitragvon Parkland » Fr 12. Aug 2016, 23:24

Liebe "Lunette",
vielen Dank für Ihre Fragen, die ich Ihnen gerne beantworten möchte:
Zur Refeeding-Kost: Wie Sie schon richtig vermuten wird bei uns Refeeding-Kost verordnet, um ein Refeeding-Syndrom zu verhindern oder sobald ein Refeeding-Syndrom vorliegt. Diese Verordnung geschieht durch unsere internistische Oberärztin in Absprache mit den Ernährungsfachkräften und den Betroffenen. Es geht also nicht darum, ein Essen zu verordnen, bei dem Patientinnen mit Anoerxie möglichst schnell viel an Gewicht zunehmen, sondern darum, eine moderate Gewichtszunahme ohne Komplikationen zu erreichen.

In unserer Akut-Klinik haben wir eine Station für Patientinnen mit Traumafolgestörungen und Essstörungen. Wie auch bei unseren Patientinnen mit chronifizierter Essstörung im Einzel-Setting ist es uns hier sehr wichtig, mit Ihnen individuelle Vereinbarungen zu treffen. Dies kann z. B. auch individuelle Gewichtszunahmeverträge beinhalten. Allerdings ist es uns sehr wichtig, auf Ihren allgemeinen Gesundheitszustand zu achten und eine körperliche (und psychische) Dekompensation zu verhindern. Hierfür würden mit Ihnen auch entsprechende Absprachen getroffen.
So wie Sie schon schreiben ist es häufig der Fall bei traumatisierten Patientinnen, dass über die Essstörung Emotionen reguliert werden und somit die Essstörung hierfür kurzfristig eine wichtige Funktion ausüben kann. In den psychotherapeutischen Einzelgesprächen (Traumatherapie) könnten Sie an der Bewältigung der Ursachen Ihrer Anorexie arbeiten, wodurch es zu einer Reduktion der Spannungszustände kommt und es Ihnen wieder möglich ist, alternative Emotionsregulationsstrategien zu erlernen.

Ich hoffe, dass ich Ihre Fragen beantworten konnte. Gerne stehe ich Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen,
A. Zanko


Zuletzt als neu markiert von Anonymous am Fr 12. Aug 2016, 23:24.


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