Überlebensstrategie

Wer bin ich? Wer ist noch hier? Was hindert mich daran normal zu essen? Was steckt hinter meiner Essstörung?

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Cornflakes
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Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Cornflakes » Mo 1. Mai 2017, 19:09

...ich muss gerade weinen kommen (es würde wahrscheinlich den 'wie fühlen'-Thread sprengen...und mein Tagebuch ist schon überlastet), weil es ein Loslassen bedeutet - auch wenn ich nicht richtig weine(n kann gerade).
Ich fühle mich so bestraft: es ist derzeit in meinem Körper nicht leicht zu 'wohnen' und ihn 'auszuhalten'. Ich kann mittlerweile im Ansatz viel klarer sehen, warum ich ihn sooo ablehne
...eigentlich sind es negative Impulse und Gefühle, die mit Ablehnen fast unzutreffend beschrieben sind
und warum ich ihn für schuldig halte... Aber, das Aber
... ich weiß einfach nicht, wie ich ihn mir zu eigen machen kann und ihn wieder 'erobern' kann oder kennenlernen kann. Ich lebe in Ablehnung gegen ihn oder in einer Angst vor ihm (wenn ich versuche ihn nicht zu 'beschimpfen, zu kontrollieren ...so habe ich ganz oft Angst - immer noch- dass er mich schon wieder verrät). Und derzeit fällt es mir so schwer, trotz PMS, trotz innerer Arbeit (Konfrontation mit Gefühlen, die für mich nicht einfach zu nehmen sind (sie sind weder schmeichelhaft, noch sonst wie 'freundlich' oder 'gesellschaftsfähig' (glaube ich manchmal)) nicht zu fressen und nicht zu erbrechen ... Bestraft fühle ich mich deshalb, weil ich glaube, meine 'Tapferkeit' wird nicht belohnt. Belohnt würde heißen, dass ich mich weniger 'überschwemmt fühle von dem Körper.... Aber es ist nicht so. Ich habe so viel Weiblichkeit, dass ich dran ersticke und nicht mehr weiß, wohin damit... -> und ich erlebe diese Weiblichkeit nicht als schön, selbstverständlich, passend oder irgendwie normal..., sondern als überwältigend und als zu viel. Und es hört nicht auf, mich zu beschweren. Und ich möchte nicht beschwert sein, sondern erleichtert sein, dafür, dass ich mich so anstrenge ... und versuche, alles richtig zu machen.
Ganz klar: vom Kopf her weiß ich, dass die BU mich auch nicht leicht macht... wahrscheinlich ganz im Gegenteil ... aber sie würde mich die Schwere vergessen lassen ... Und ungünstigerweise würde sie aber auch wieder verstärken "die Schwere des Körpers (und alles was ich krankerweise damit wohl verbinde - gedanklich und emotional) wird übergroß ...hört niemals auf... und lässt sich nur durch die BU 'aushalten, eindämmen, klein-halten ...was auch immer..." Und so ist es ja nicht... ich weiß es ...
Aber :( In diesem Sumpf, den ich gerade fühle, sehne ich mich nach (körperlicher) Leichtigkeit, Sauberkeit ...und einem Gutgefühl. Ich kann es mir versuchen zu verschaffen durch: häufiges Duschen, Waschen, Raumdüfte, ...Flauschekleidung... es nützt nichts... Nichts was ich tun oder lassen kann, hebt es auf bzw. wirkt langfristig. Wahrscheinlich hilft nur: weiter und weiter ... und eben warten, bis es anders ist. Im Zweifel -> einfach (?) heulen, die Wände hoch gehen, nicht überlegen, dass jede Mahlzeit dieses Gefühl noch verstärken wird (was auch nicht stimmt - aber :shock: dennoch fühlt es sich oft so an) ... Ach ja: und die Vergleichskiste lassen. Sie bringt mich nicht weiter. Andere Menschen sind anders. Ich habe eben das was ich habe. Fertig.

...ich weiß gerade nicht, wo ich es lassen soll und merke, dass, wenn ich es 'nur' für mich habe, es noch schwerer wird. ... *bedanktfür'smoppern*

Cornflakes

MarieAnne
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Re: Überlebensstrategie

Beitragvon MarieAnne » Mo 1. Mai 2017, 21:10

Liebe Cornflakes,

das klingt sehr verzweifelt und hilflos. Nach Kampf ohne wissen wohin - bzw eventuell in die falsche RIchtung. Es klingt so, das ob du etwas ablehendes, aber letzlich ja dadurch kämpferisches - das ja prinzipiell nicht "böse" oder "unfreundlich" ist, sondern einfach nur sich für etwas einsetzen heißt - irgendwie wegmachem müsstest. Weg und ersetzen durch das, was für dich in dem Moment so unerträglich bzw. sinnlos ist - das sanfte, weibliche, liebe, nette, das frisch geduschte, duftende, wattierte, romantische Musik hörende. Ehrlich gesagt kommt mir bei der komprimierten Auflistung da innerlich grad irgendwie auch das k*. Vieeeeel zu rosa-wolken-mäßig und gar nicht passend wirkt das auf mich. Du versuchst, alles, dich besser zu fühlen - aber ich habe den Eindruck, in der verkehrten Richtung. Du lehnst das weibliche in dem Moment ab - und tust aus Verzweiflung alles dafür, dich noch mehr darein zu begeben, damit es gefälligst endlich mal sich gut anfühlt. So wirkt es zumindest auf mich.

Ich bewege mich selber viel. Und wenn da so was wie Schuld und Ablehnung da ist bzw. "unfreundliche" Gefühle, dann helfen mir ganz andere Dinge. Wie wäre es dann, statt weiblichem "einlullen" - eher mit z.B. Laufen? Die eigene Kraft und Schnelligkeit im Körper spüren? Oder etwas Kampfsport-ähnliches, Selbstverteidigung-ähnliches: Spüren, dass man das, was einen kaputt machen will, abwehren kann und darf? z.B. Schuld in Wut und Wut in kontrollierte Kraft umsetzen? Stärke zeigen - letzlich umd das Weibliche schützen zu können....

(Auf Worte bezogen: Letzlich hat Klarheit auch in Worten anderen gegenüber auch etwas damit zu tun, sich klar zu zeigen. Ecken und Kanten offenzulegen, so dass andere nicht verunsichert im Nebulösen rumstochern, sondern wissen, woran sie sind. Und somit auch erleichert sind z.B., weil sie deine wunden Punkte kennen und sie somit vermeiden können - keine Ahnung, ob das ein Thema ist bei dir. Das kam mir nur grad so)

Mehr so Yin-Yan-Prinzip-mäßig. Das, was wir alle in uns haben: Weiblich und Männlich. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig esoterisch, aber ich hoffe, du verstehst, was ich meine? Hab grad so ein bisschen den Eindruck, als konzentrierst du dich total auf den weiblichen Teil - und der männliche ist eh nur negativ besetzt, so das müsstest du dich erst vorsichtig annähern, ihn erst lernen. Dabei ist er schon da - in der Ablehnung (nur leider im Moment von dir selber), im Kampf, im Durchhalten. Da stecken meines Erachtens bzw so wie ich solche Dinge erleben würde irgendwie auch "negative" Gefühle drin bzw dahinter und geben Kraft wie z.B. Wut (Wut auf die ES), Ärger, Neid, Hilflosigkeit.

Vielleicht kannst du damit was anfangen? Das waren mal so meine Gedanken dazu, wie sie mir jetzt kamen. Für dich zum probieren, hinspüren, ob da was passt oder neuen Input gibt. Ist keinesfalls als Kritik gemeint an dem, was du tust/denkst/nicht tust, nur als mögliche neue oder einfach nur ergänzende Denk-Wege. Was für dich stimmtig ist, was dir hilft, das kannst nur du wissen.

Schicke dir ganz viele Kraftvolle Wandelstrahlen, die genau das werden, was du grad am meisten brauchst.

Marie

Cornflakes
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Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Cornflakes » Mi 3. Mai 2017, 21:48

Liebe Marie,

du hast recht: ich bin etwas verzweifelt und auch hilflos. ...das ist einfach so. Und das kann ich auch nicht wegreden. Vllt gerate ich deshalb auch so jammerig in meinem letzten Beitrag - jedenfalls finde ich das so.

es verhält sich so (zum Glück!), dass ich nicht nur da sitze und versuche mit einem (ich nenne es mal ->) rosa-pudern eine sowieso schon unerträgliche Wahrnehmung weiter zu betonen. Nicht nur (hoffe ich). Ich bin auch viel in Bewegung, draußen, unterwegs ... und versuche (auch rein körperlich) nicht zu verharren. Weil ich auch weiß und ahne, dass es eine 'Hineinspiralisierung' bewirkt (oder kann), aus der ich dann auch nicht mehr hinaus finde. Aber: vllt helfen mir deine Worte doch noch einmal mehr, mich auch (mehr) in Bewegung zu halten. Vllt ist es zu wenig.
Und ja, es gibt auch Tage, durch die ich (beruflich) durchstresse, abends erst hier wieder anlange -> und einfach gar nichts mehr läuft -> außer dem Gang ins Bett, damit ein morgens in der Frühe aufstehen wieder gelingt...

Weißt du, es ist mir oft schwer, mich in diesem Körper zu bewegen (ich tue es dennoch), weil ich ihn nicht gerne erfahre, erlebe -> und sportlich sein macht oft (bei mir jedenfalls) erstmal etwas, was mir unangenehm ist (nämlich: noch mehr Körper), dann im zweiten vllt besser - und das nicht immer. Kennst du das?
(..bemerkenswert, dass du Kampfsport erwähnst :mrgreen: ...da mache ich schon etwas...).

Weißt du, es stimmt aber schon: ich versuche auf dem Gebiet 'Körper' genau da ein gutes/besseres Gefühl zu bekommen, wo ich eigentlich am meisten 'blockiert' bin oder: auf dem ich mich am meisten verletzt, unwohl, angegriffen fühle ...da, wo in meinem Geühl der 'Krieg' tobt, genau da versuche ich etwas Gutes oder zumindest ein "es ist weniger-schlimm"-Gefühl zu bekommen. Denn das sind die Gefühle, die Situationen, die mich am meisten treffen, die mich hilflos machen: ich muss mit dem Köper eben leben - und es ist so schwer nur auszuhalten. ...und da versuche ich, es aushaltbar zu machen (nachts, tagsüber -> ich kann nicht laufen, wenn ich will ...und oft 'befreit es mich auch nicht. ganz im Gegenteil. ich erlebe nicht ->"boah, wie toll, das fühlt sich gut an" "was dieser Körper alles kann" oder "hey, die Wut ist weg " ...und ich konnte sie umleiten...). Ich weiß nicht, ob du verstehen kannst, wie ich das meine (?)

Marie, ...gerade habe ich die Sorge, dass sich meine Antwort so liest, als ob ich all' das, was du mir geschrieben hast irgendwie 'in den Wind' schlage - so ist meine Antwort, aber nicht gemeint. Wenngleich ich wahrscheinlich doch so klinge, als würde ich dir sagen "habe ich schon probiert, das geht nicht..." So will ich es aber nicht stehen lassen.

Sehr nachdenklich hat mich gemacht:
Hab grad so ein bisschen den Eindruck, als konzentrierst du dich total auf den weiblichen Teil - und der männliche ist eh nur negativ besetzt, so das müsstest du dich erst vorsichtig annähern, ihn erst lernen. Dabei ist er schon da - in der Ablehnung (nur leider im Moment von dir selber), im Kampf, im Durchhalten. Da stecken meines Erachtens bzw so wie ich solche Dinge erleben würde irgendwie auch "negative" Gefühle drin bzw dahinter und geben Kraft wie z.B. Wut (Wut auf die ES), Ärger, Neid, Hilflosigkeit.
...ich mag mit Ying-Yang gerade nicht so viel anfangen (aber weiß,um was es geht..) ...Es ist aber die Erinnerung durch deine Worte daran, dass ich etwas zu sehr bekämpfe (wobei zu mir sowohl der kämpfende als auch der bekämpfte Anteil zählt), was eigentlich quasi 'mein eigen' ist (und das trifft gerade sehr -> weil's wahr ist und ich's gerne vergesse und so nicht sehen und schon gar nicht fühlen mag) ... : "ich bin" -> auch dieser Körper, auch der Neid, die Aggression...wasauchimmer. Die 'kranke' Abspaltung/Trennung/ Unterscheidung ...(Körper vs. 'ich') ist vielleicht viel mehr das eigentliche Problem. :(
sehr schwierig, aber sehr wichtig.

Dankeschön, liebe Marie, für deine Antwort - deine klaren Worte und Gedanken (ich schätze sie sehr- auch wenn einiges schwer ist anzusehen...aber nur so geht es weiter!) ! ich denke darüber ...melde mich vllt nochmal dazu -> unbedingt aber wollte ich dir jetzt schon etwas dazu schreiben und da lassen...

...auch einen lieben Gruß -> und gerne einen Wünschetee zum Abend für dich auf diesem Wege ,) <3 *komm' gut in den Abend und durch die Nacht!

Cornflakes

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Re: Überlebensstrategie

Beitragvon MarieAnne » Sa 6. Mai 2017, 10:35

Liebe Cornflakes,

wollte dich nicht noch runterziehen. Es fällt mir nur derzeit schwer, die richtigen Worte zu finden. Gedanken und Gefühle richtig zu sortieren und passend zu formulieren. Daher hier auch eher Gedanken-Schnippsel. Es geht grad nicht anders.

Wenn du mir antwortest, kannst du auch gerne Dinge "in den Wind schlagen", nach dem Motto, bringt mir nichts. Dann ist es so. Für mich ist das nicht schlimm, da ich ja kein "Lob" brauche, nach dem Motto, tolle Tipps. Passt zum Folgenden Gedanken, neu formuliert:

Letztlich finde ich das kämpferische in dir gut, das Abwehrende. Besser als die totale Erstarrung, unlebendig. Wie es geht, diese Power FÜR SICH und gegen das, was einen im außen stört, umzusetzen, finde ich auch super schwer. Letztlich muss man auch zu anderen nicht immer nett sein. Das meinte ich mit den Ecken und Kanten.

Es ist eher so, dass ich es traurig finde, dass du deinen Körper so wenig angenehm erleben kannst, dass das so schwierig ist. Aber vielleicht könnte da eine Körpertherapie oder so helfen, neues, angenehmes (auf unerwarteter Ebene) zu entdecken? Sich vorsichtig anzunähern? Ich glaube auch nicht, dass es so rasch geht. Einmal laufen und dann sofort fühlen, "gigantisch, was man Körper kann. Cool, meine Wut ist weg." Ich glaube, da ist man schon 5 Schritte weiter. Auch was Kampfsport oder so angeht, da muss man sich erstmal reinfinden, denke ich, sich überwinden, seine Erfahrungen sammeln. Ich denke, ganze zu verbessern, das passiert auch bei grundsätzlich geeigneten Dingen eher in Annäherung, in kleinen Schritten, immer ein Stückchen mehr - auch wieder Rückschritte und an doofen Tagen vielleicht gar nicht, an guten Tagen wo es läuft dann wieder super. Ich glaube auch, sich da Druck zu machen, ist der falsche Weg. An der Stelle ist Kampf glaub ich eher kontraproduktiv nach dem Motto "Entspann dich endlich gefälligst jetzt sofort!" Gefühle erzwingen wollen, auch Körper-Gefühle, wird nicht gehen. Vielleicht erstmal eher wahrnehmen, was machen die guten Düfte oder das Badewasser? Welchen Effekt haben sie? Fühle mich mich entspannter? Ist es in dem Moment besser, dass die Spannung reduziert ist? Oder spüre ich einfach nur, dass etwas anders ist ohne dass direkt etwas besser ist? Oder ist es besser, in so einer Situation raus zu gehen? Lenkt es ab - die frische Luft in der Nase, in den Lungen, auf der Haut, das fortgehen können z.B.? Oder auch schon sich über Kleinigkeiten freuen - so, wie du schon irgendwo geschrieben hast, die Zehen, die unter der Decke hervorwinken. Ein schönes Bild - auch das mit dem Körper verbunden. Mit der Decke, die man mit angenehmer, weicher Wärme am Körper spüren kann. Und die Zehen, die mit ihrer Bewegung etwas lustiges, neckisches erzeugen.

Lass dich zu nix drängen von meinen Gedanken. Du musst dich nicht reinvertiefen. Nichts muss, nichts muss klappen oder passend sein. Sie können gern erstmal nur dastehen. Oder generell nur dastehen.

Wünsche dir ein angenehmes, stressfreies Wochenende

Marie

Cornflakes
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Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Cornflakes » Do 11. Mai 2017, 19:41

Liebe Marie,

...viel zu spät finde ich gerade, aber: sei sehr bedankt von mir für deine Antwort!
mir geht es gerade recht schwer und nicht gut - mag dir aber unbedingt etwas antworten.

Du musst bitte Folgendes ganz sicher wissen: weder fühle ich mich durch deine Antwort irgendwie 'runter gezogen', noch sonst irgendwie bedrängt! ...und ich habe auch wahrlich nicht das Gefühl, irgendwie nett sein zu müssen ... Aber ich bin es gerne mit dir ;) weil ich dich sehr schätze, dich gerne lese und deine Gedanken zu vielen vielen Dingen und Themen oft sehr klug finde und gerne mit dir teile und schreibe (you remember 'die Zeit bis Ostern' ? ...und das ist nur ein Beispiel)... - > so es eben sein kann, wenn man sich hier über eine lange Zeit 'kennt' ...oder virtuell begegnet. ...außerdem trinke ich gerne Tee und Kaffee mit dir!***

Gerne nehme ich mir vieles von dem mit, von dem ich glaube, es ist passend ...und aber auch kritische Dinge -> die anzugehen nicht leicht sind. Weißt du, ich halte das schon aus -> fühle mich da nicht 'gedrückt und gedrängt' etwas zu tun, was ich nicht kann und will. Einiges von dem Kritischen kann manchmal auch etwas Ungutes anrühren ... Aber dann ist das so. Sei versichert -> es bleibt wohl dosiert!

Und: ich weiß, dass ich nicht alles 'annehmen' muss -> aber ich bin gerne selbstkritisch (wahrscheinlich manchmal zu sehr) und überlege gerne einmal zuviel, ob ich etwas 'ausschlage', um mich mit dem Thema was da angesprochen ist nicht zu beschäftigen ...oder ob es wirklich nicht passt. Deshalb schrieb ich wohl, dass ich hoffe, es klingt nicht so, als würde ich alles in den Wind schlagen ... damit meine ich wohl im besonderen -> es 'einfach', ohne drüber nachzudenken' wegschlagen.

Marie, ich hoffe, du kannst verstehen, was ich meine. ...ich schicke dir gute Grüße, einen hübschen Abend und gerne eine Umarmung, wenn du sie nehmen magst! ...wünsche dir einen ruhigen Tagesausklang.

Cornflakes

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Re: Überlebensstrategie

Beitragvon MarieAnne » Di 16. Mai 2017, 21:27

Liebe Cornflakes,

ja, ich verstehe was du meinst. Und ich danke dir sehr für deine Worte, die mich sehr berührt und total zum nachdenken gebracht haben. Und das auch noch, wo es dir selber grad gar nicht gut geht. Danke dir.

Will dir das grad noch mal da lassen und mitteilen, was du positives ausgelöst hast. Also red ich jetzt eher mehr von mir (sorry dafür); aber das ist mir grad wichtig, dir das zu sagen.

und ich habe auch wahrlich nicht das Gefühl, irgendwie nett sein zu müssen. Aber ich bin es gerne mit dir


Irgendwie mach ich mich manchmal selber zum "Freiwild", merke ich. Ganz nach dem Motto, ich gebe was - und der andere kann mit dem, was von mir kommt, ja eben auch das Gegenteil sein, also gleichgültig, aggressiv, angreifend. Es fällt mir schwer - ich denke immer noch, jemand, der Hilfe braucht, sollte auf sich gucken, auftanken und nicht auch noch andere "bedienen" müssen. Sich anderen auch noch verpflichtet fühlen müssen und neben den eigenen Schwierigkeiten auch noch möglichst alles vermeiden, was andere doof finden könnten. Aber das ist es irgendwie auch gar nicht. Letztlich gibt es einen Unterschied. Und der liegt irgendwie auch im Respekt für den anderen als Mensch, vor dessen Gefühlen - und den hast du mir so deutlich gezeigt. Man muss jetzt zwar nicht die Hilfsangebote vom anderen toll finden, nur damit der Helfer sich besser fühlt - wenn sie nunmal nicht helfen, dann ist es so. Aber es gibt da doch noch etwas anderes, einen anderen Umgang als "In den Wind schlagen" oder "die Ideen find ich doof". Es hat was mit mir zu tun - ich muss umgekehrt nicht alles hinnehmen an möglicher Reaktion auf meine Worte; ich muss nicht damit klarkommen und es für selbstverständlich nehmen, dass meine Gedanken, Worte, Gefühle zu einem Thema eventuell sozusagen als Schrott empfunden werden. Ich muss nicht jede erdenkliche Reaktion ok finden.

Finde es grad schwer, dafür die richtigen Worte zu finden. Jedenfalls hast du mir sehr geholfen, zu spüren, ich darf mir selber mehr wert sein mit allem, was ich anderen gebe.

Danke, dass du da bist. Ich trinke auch unheimlich gerne Kaffee mit dir. Verfolge deine Gedankengänge, deinen tapferen Weg. Genieße die Gespräche hier.

Und hoffe, dass du in meinen Worten jetzt und in den letzten Tagen etwas finden konntest, dass dir wohl tut. Und auch an anderer Stelle neues Licht, neue Stärke, helfende Menschen. (Nicht, um mich und meine Worte toll finden zu können ;) , sondern:) Weil mir daran liegt, dass es dir besser geht.

Marie

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Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Cornflakes » Fr 9. Jun 2017, 19:24

Liebe Marie,

...wahrscheinlich ist meine Antwort an dich irgendwie zu spät... (denn gerade denke ich, dass man vllt vom Thema weg ist, wenn sich zu viel Zeit dazwischen schiebt .... mir blieb jedoch keine für mich) Aber ich mag dir dennoch etwas dazu schreiben.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich alles richtig verstanden habe - oder etwas 'dazu lese', was du vllt so gar nicht gemeint hast ...dann antworte mir bitte gerne dazu. Ein wenig habe ich gerade den Eindruck, mir ist zwischenzeitlich viel von dem begegnet, was du geschrieben hast. Ich habe in meiner näheren Umgebung versucht zwei Menschen, die mir eigentlich am Herzen liegen 'zu retten'. Klarererweise ist mir das nicht gelungen (mir ist nichts gelungen außer ener totalen Erschöpfung auf meiner Seite - das hätte ich vllt alles vorher wissen können ...aber darum geht es gerade nicht). Weißt du, ich habe ganz viel gegeben. Und viel von dem was ich gegeben habe -> von konkreter Hilfe bis zu guten Worten, harter Meinung ...manchmal auch Umsorgung ... es wurde ausgeschlagen. 'In den Wind geschlagen'. Gut, jeder darf aussuchen, was er braucht und haben kann ... Aber es ist mir schwer gefallen es auszuhalten -> denen will nicht geholfen werden zu akzeptieren (das ist schon schmerzvoll). Aber auch zu erleben: ich bin ihnen gleichgültig(er), als das Festhalten an zerstörerischen Dingen.
Und meine 'Hilfe' wird nicht nur nicht gemocht -> es wurde auch darauf herumgetrampelt.
ich muss umgekehrt nicht alles hinnehmen an möglicher Reaktion auf meine Worte; ich muss nicht damit klarkommen und es für selbstverständlich nehmen, dass meine Gedanken, Worte, Gefühle zu einem Thema eventuell sozusagen als Schrott empfunden werden. Ich muss nicht jede erdenkliche Reaktion ok finden.
...nein, Marie, ...das musst du nicht! und ich mag nach diesen Wochen schreiben: nein, das müssen wir nicht! Es mag gerne 'von uns' gegeben sein. Aber Hilfe geben (Mitfühlen, Einfühlen und nach Lösungsmöglichkeiten für die Probleme von anderen suchen) bedeutet nicht ein sich grenzenlos geben. Man darf verletzt, ausgesaugt sein, sich missverstanden fühlen ...und (auch wenn es dem anderen schlecht geht und man eigentlich nichts erwartet (oder nicht erwarten darf - kann, will *however*) vor den Kopf gestoßen fühlen. ...und uneinverstanden sein mit den Reaktionen. Kannst du mir da folgen?

Klar glaube ich auch, dass es sich in Lebenskrisen manchmal für den Betroffenen furchtbar fühlt -> da ist man nicht mehr rücksichtsvoll, umsichtig und ...und...und... Jedoch muss man 'als Gebender' nicht alles aushalten.
Irgendwie mach ich mich manchmal selber zum "Freiwild", merke ich.
Das solltest du nicht tun! ...aber ich ahne, wie man dazu kommt, es dennoch zuzulassen.

Dass du von dir geschrieben hast, ist eine Berreicherung - und bitte kein sorry dafür. Zwar habe ich dieses Thema hier eröffnet, aber es ist immer eine Einladung doch mitzuschreiben -> es wäre sonst ohne Sinn.

Sei bedankt für deine lieben Worte an mich! <3 ...in dieser für mich irgendwie 'ausgebrannten' Zeit, nehme ich sie gerne und versuche sie anzunehmen. Sei bedacht von mir - ganz herzlich. Und komme gut in den Abend.

alles Liebe für dich!
Cornflakes

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Re: Überlebensstrategie

Beitragvon MarieAnne » Mi 28. Jun 2017, 09:02

Liebe Cornflakes,

keine Sorge, zu spät ist nie. Ich wollte dir selber auch schon früher wieder antworten. Derzeit fehlt mir aber die Kraft und leider auch die Zeit dazu. So viel los. Und ich will nicht irgendetwas so nebenbei rausschleudern. Das hast du nicht verdient ;)

Das Ganze beschäftigt mich in jedem Fall weiter, das weiß ich. Wenn wieder Raum dafür ist, dir angemessen zu antworten, melde ich mich.

*winke*
Alles Liebe bis dahin
Marie


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