Überlebensstrategie

Wer bin ich? Wer ist noch hier? Was hindert mich daran normal zu essen? Was steckt hinter meiner Essstörung?

Moderatoren: Mi_Suerte, *Ginny*, Bikerin_85

Cornflakes
Beiträge: 847
Registriert: Do 16. Aug 2007, 23:46

Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Cornflakes » Di 1. Nov 2016, 18:35

Liebe Dolphinfree,

...was kann ich dir Gutes schicken?, frage ich mich gerade. -> Einen lieben Gruß und ein Kraftpaket!**

Und ich möchte mich Taui gerne, herzlich und nachdrücklich anschließen insofern, als dass ich dir wünsche, du kannst auf dich achten (!!) und auch das Angebot annehmen oder viel mehr: den (bestimmt auch sehr schwierigen) Schritt wagen, dich akut/vorläufig aufnehmen zu lassen, bevor du gar nicht mehr weiter weißt! Eine Ärztin sagte mir einmal "...ohne Basis, ohne Essen und ohne 'Grund' unter den Füssen halten sie eine Therapie gar nicht aus" . Ich denke, sie hat Recht. Immer mal wieder denke ich daran und es begleitet mich auch als Ermutigung. Gerne würde ich dir davon schicken.

Einen ganz lieben Gruß
Cornflakes

dolphinfree
Beiträge: 374
Registriert: Do 20. Okt 2005, 12:00

Re: Überlebensstrategie

Beitragvon dolphinfree » Di 1. Nov 2016, 20:37

DANKE! *big hug*

Tautropfen
Beiträge: 359
Registriert: Di 21. Jan 2003, 12:00
Wohnort: BaWü

Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Tautropfen » Mi 2. Nov 2016, 09:56

Liebe Dolphinfree,

Im ersten Moment hatte mich deine Antwort wütend gemacht. Ich wollte sehr vorsichtig damit umgehen, weil ich nicht wusste warum und davon ausging, dass es sicher mehr mit mir selbst zu tun hat, als mit dir...

Ich bin immer noch nicht sicher was es ist, aber ich glaube es ist die Wut auf deine Abgestumpftheit der Bulimie gegenüber von der du schreibst UND vor allem die Angst, dass ich auch mal so werde...

Ich verstehe deine Gedanken, dass du nach sooo langer Zeit DIE richtige Klinik willst und an Erfolge anknüpfen möchtest.
Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass dieser Plan gerade aus Selbstfürsorge heraus entstanden ist.... Ich spüre viel Sturheit.
Tut mir leid, dass ich so direkt bin und dich so angehe... aber ich glaub ich spüre die Abgestumpftheit und dass es gar nicht so leicht ist, dich zu erreichen....

Wenn ich dich nerve, sag einfach Bescheid dann halt ich meine Klappe. Aber vielleicht kannst du ja was damit anfangen....

Herzlichst Taui

Tautropfen
Beiträge: 359
Registriert: Di 21. Jan 2003, 12:00
Wohnort: BaWü

Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Tautropfen » Mi 2. Nov 2016, 10:21

Liebe Cornflakes,


Keine Sorge, mir gerätst du nicht zu schwer... schreib was du auf dem Herzen hast. Bevor dir das Herz drunter schwer wird ;-)

Ich freue mich auch riesig über meine Schritte. Und es ist immer noch "besser". Trotz Therapie-Chaos usw. Aber es ist das Licht.... 8-) das mich zieht...

Du zögerst beim schreiben, ob du das gleiche "Licht" meinst wie ich... Auf jeden Fall habe ich aus deinen Zeilen rausgelesen, dass du es kennst. Es ist nicht nur das etwas da ist sondern auch dass etwas anderes nicht da ist.

Ich spüre jetzt oft, dieses eben nicht mehr "ohne Herz und Hirn" sein. Ich finde Solange man es ist, ist es normal... erst wenn man mal den Unterschied kennt :shock:


Angetrieben hat mich auch oft das Gefühl, die Krankheit einfach nicht mehr auszuhalten. Aber der Antrieb ist relativ schwach. Da zieht nichts. Man muss viel kämpfen, aber wenn man dann was vom "Licht" spürt, wird es leichter.

Auch deine worte "ohne Energie/Bezug und Lebendiges zu sein mir so zugesetzt hat. Ich will nicht mehr so von mir entfernt leben!" kenne ich so gut... Manchmal Merk ich gar nicht dass ich endlich DA bin. Aber wenn ich dann nach einem schlechten Tag wieder WEG bin, ist der Unterschied schmerzlich.

Und genau so meinte ich es auch mit dem depressiven Loch. Gäbe es dieses nicht, wäre man vielleicht leichtsinniger, hätte weniger Mut und verlangen nach dem echten Leben.

Liebe Cornflakes, ich weiß nicht wo du gerade stehst, oder wo du dich siehst.... aber du machst das gut. Da bin ich ganz sicher. Man tut sich sowas nicht ohne Grund an. Ich musste erstmal googeln, was ein Hoodie ist. :mrgreen: Eine sehr gute Investition, sowas braucht man....und Musik und Räucherstäbchen usw das klingt alles gut. Nach selbstfürsorge.
Und weißt du was... jetzt schreibe ich noch etwas, was mir die Therapeutin mal sagen musste... vielleicht kannst du damit ja auch was anfangen....

Trotz jetzt guter Selbstfürsorge, "darfst" du noch essen und spucken. Ich Dachte oft, jetzt tu ich mir doch schon (verbotenerweise) was gute, dann krieg es jetzt wenigstens hin, blöde Kuh! NEIN!!!!!!

Ich glaube manchmal ist man so ausgehungert und verdörrt durch großen Mangel an selbstfürsorge, Annahme, sich mögen.... dass es erstmal ne Weile braucht bis der Akku nur ein bisschen voll ist.

Kennst du das.... dass sich das Handy manchmal trotzdem ne Weile nicht anschalten lässt, obwohl es schon am Stromkabel hängt? So ähnlich mein ich das.... ;-)

Ich schicke dir viel Licht und Strom :P Und laufe weiter... heute mit viel Energie und Kraft. Das Leben ist schön.


Deine Taui

dolphinfree
Beiträge: 374
Registriert: Do 20. Okt 2005, 12:00

Re: Überlebensstrategie

Beitragvon dolphinfree » Do 3. Nov 2016, 01:28

Liebe Taui,

du darfst hier immer schreiben, was dich bewegt. Also auch, wenn dich Worte von mir wütend machen. Das ist dein gutes Recht.

Ich möchte dich nur bitten, nicht zu urteilen. Ich weiß nichts über dich und deine Geschichte. Du aber auch fast nichts über die meine. Hier können wir nur Momentaufnahmen zeigen. Und das auch noch verbal, also sehr beschränkt.

Lies meine Worte nochmals und versuche meine Verzweiflung, meine Sehnsucht nach Normalität und meinen Selbsthass zu spüren. Da ist auch Traurigkeit und Wut. Und durchaus auch Mut und Willensstärke und ein Rest Kraft. Hätte ich mich aufgegeben, würde ich hier nicht schreiben, würde nicht nach Lösungen suchen und auch nicht reflektieren. Und eine gewisse Sturheit kann ich nicht verneinen, empfinde diese aber durchaus konstruktiv, weil sie auch etwas ist, das ich der Bulimie entgegen setzen kann.

Aber selbst wenn all dies nicht wäre. Selbst wenn ich gerade "ertrinken" würde in der Bulimie und dem Selbstmitleid. Selbst wenn ich die Worte nicht annehmen könnte, die ihr mir hier mit auf den Weg gebt. Auch dann wäre das in Ordnung, weil es meine Entscheidung sein muss. Ich hoffe, du verstehst das jetzt nicht falsch. Ich wertschätze deine Beiträge hier. Mir ist nur wichtig, dass keiner von uns den anderen zu etwas zwingen kann. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen und seine eigenen Entscheidungen treffen. Wir können hier nur Angebote machen.

Ich mag diesen Spruch sehr gerne:
Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, weil ich es genau dann am meisten brauche.

Deine Angst kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich bin auch immer unsicher, wie viel ich hier offen schreiben soll, ohne andere zu demotivieren... Als ich im Sommer in der Klinik war, habe ich auch gesehen, wie kontraproduktiv es für einige junge Patientinnen war, wenn sie andere gesehen und erlebt haben, die schon seit Jahrzehnten mit einer ES leben, die Familie haben, einen Job haben, Alltag haben. Wozu also gegen die ES angehen? Wozu so viel Kraft aufwenden, wenn man doch auch damit ein Leben haben kann? Aber das ist eben nur die sichtbare Hülle... keiner kann mit einer ES LEBEN... im besten Fall kann man mit einer ES existieren.

Liebe Taui, nein, ich bin nicht abgestumpft. Ich bin voller Emotionen. Und die größte ist meine Angst, es nicht zu schaffen...

Liebe Grüße,
dolphinfree

Tautropfen
Beiträge: 359
Registriert: Di 21. Jan 2003, 12:00
Wohnort: BaWü

Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Tautropfen » Do 3. Nov 2016, 10:32

Liebe Dolphinfree,

Bevor ich dir die Antwort geschickt habe, habe ich lange übelegt, ob das ok ist. Aber jetzt bin ich froh, dass ich es getan habe.

Denn jetzt habe ich eine ganz andere Dolphinfree kennengelernt. Vielen Dank für deine Worte.... sie Klangen so echt, authentisch... nach einem ganzen Menschen. Mit allen Gefühlen. Gar nicht mehr stumpf....

Meine Wut ist komplett verflogen. Du hast recht, man muss aufpassen, dass eine Momentaufnahme kein falsches Bild erzeugt. Tut mir leid, wenn ich dich irgendwie verletzt habe.

Und du hast recht, dass auch jeder ein Recht auf liebe hat, der im Sumpf der Bulimie liegen bleiben "möchte". Ich hoffe und bete, dass uns dieser Punkt erspart bleibt.

Also nochmals, vielen Dank für das zeigen all deiner Gefühle hier....

Herzliche Grüße Taui


P.s. Sorry Cornflakes.... ist eigentlich dein Thread.

dolphinfree
Beiträge: 374
Registriert: Do 20. Okt 2005, 12:00

Re: Überlebensstrategie

Beitragvon dolphinfree » Do 3. Nov 2016, 15:29

Liebe Taui,

fühle dich umarmt!


Liebe Cornflakes,

danke dir für den Platz in deinem Thread für einen kleinen Teil von mir. Auch dir eine ganz liebe Umarmung.


Liebe Grüße,
dolphinfree

Cornflakes
Beiträge: 847
Registriert: Do 16. Aug 2007, 23:46

Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Cornflakes » So 6. Nov 2016, 08:25

Liebe Taui, ...sei von Herzen bedankt für deine schöne Antwort*** weißt du: bei all' dem klingst du mir stark und heiter durch die Zeilen hindurch...das ist sooo schön!! *hug*

...du hast das ganz gut beschrieben...
Manchmal Merk ich gar nicht dass ich endlich DA bin. Aber wenn ich dann nach einem schlechten Tag wieder WEG bin, ist der Unterschied schmerzlich.
<- habe diesen Satz mehrfach gelesen... so kann es wirklich sein - wenn eine gute Zeit beginnt und man anfängt, öfter 'anwesend' zu sein und zu bleiben und das heißt auch: Gefühle anders zu verarbeiten und trotz Anstrengung und Frust nicht alles 'geschluckt' wird, sondern man dem ganzen, was einen bewegt auf der richtigen Antwortebene begegnet. (Die Antwort auf schlechte Tage oder das Bedürfnis gehalten zu werden, heißt sicher nicht essen-und-erbrechen. Eigentlich. Aber es gibt wohl (noch) nicht immer den Zugang, es anders zu machen...). Je öfter das gelingt, desto 'selbstverständlicher' kann es werden ...und dann fällt ein (plötzlicher?) Einbruch wieder stärker ins Gewicht...

Und genau so meinte ich es auch mit dem depressiven Loch. Gäbe es dieses nicht, wäre man vielleicht leichtsinniger, hätte weniger Mut und verlangen nach dem echten Leben.

Wahrscheinlich ist das so. So oft habe ich mir gesagt, dass eine FA nicht hilfreich ist -> weil sie nichts lösen wird (nicht wirklich) und im Nachhall nur noch größeren Kummer und Scham und Leere hinterlassen wird. Das hilft mir in einigen Fällen, es auch wirklich anders zu machen! ...und das ist eigentlich auch gut zu wissen.

Sei bedankt, du Liebe, dass du so auf meiner Seite stehst ...! <3 !! Ich selber weiß derzeit nicht so sicher, ob ich das wirklich gut mache! Aber ich mag daran glauben, dass es nach dieser 'Schräg-Kurve' wieder weiter den Berg hoch geht.
Sehr viel kann ich übrigens mit dem anfangen, was du zu dem 'Trotz guter Selbstfürsorge' geschrieben hast! Sehr. Ich habe so oft versucht, mich erst dann zu belohnen, wenn ich etwas wirklich sehr gut hinbekommen habe oder: erst wenn ich wesentliche Schritte auf dem Weg aus der ES geschafft habe -> erst dann darf ich gut zu mir sein..., erst dann habe ich es verdient (völlig blöd, weil ich musste viel zu lange nach dem Selbstlob 'hungern') oder: ich habe mir etwas Gutes getan, habe mich umsichtig verhalten -> und trotzdem habe ich "versagt", was ebenso ein Wutgrummel ausgelöst hat, wie vllt bei dir (jedenfalls liest es sich so). ...nicht so gut - weil man weiter zu kurz kommt und sich etwas versagt - wahrscheinlich Beachtung und Verständnis... und so fällt es gleich nochmal schwerer, weiter zu gehen...

...und dein Strom ist angekommen! ;) *sogarechtÖko :idea: ** ...-> vielleicht ging deshalb die Woche dann doch endlich zu ende***

Schicke dir einen hübschen, ruhigen und guten Sonntag*** und etwas 'Pause' *duerinnerstdich?* , die dich gut in die nächste Woche begleiten soll

Alles Liebe!
Cornflakes

Cornflakes
Beiträge: 847
Registriert: Do 16. Aug 2007, 23:46

Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Cornflakes » So 6. Nov 2016, 08:52

Sorry Cornflakes.... ist eigentlich dein Thread.


...aber er ist lebendiger mit und durch Euch! ***

Tautropfen
Beiträge: 359
Registriert: Di 21. Jan 2003, 12:00
Wohnort: BaWü

Re: Überlebensstrategie

Beitragvon Tautropfen » Di 15. Nov 2016, 07:47

Liebe Cornflakes,

Letzte Woche war ich nicht fähig zu schreiben.
Ich war gefangen im Sumpf.
Ich wusste ich hab am Freitag ein schweres Gespräch vor mir. Mit meiner Therapeutin. Ein Gespräch in dem ich ehrlich sein wollte und sagen was mich in den letzten 2 Stunden gestört, belastet und verletzt hat. Meine Ehrlichkeit hätte das Ende der Therapie sein können. Denn hätte sie sich nicht entschuldigt, hätte die Therapie für mich keine Basis mehr gehabt.

Mein Innerstes (inneres Kind?) hatte furchtbar Angst davor. Wollte sich drücken. Die Verletzungen ignorieren. Und so tun als wäre nicht s und nichts ansprechen. Und ein anderer (neuer, gesünderer, stärkerer) Teil in mir wusste, ich muss und will und werde das ansprechen.

Das war gut!

Aber die Angst war so groß, dass die Woche scheinbar nur im Nebel der ES zu schaffen war. Ich habe es verstanden. Aber es tat weh. War unangenehm. Und ich fühlte mich machtlos es ändern zu können. Soviel zur Wirksamkeit der ES. :!: :roll:

Aber ich wusste ich kann es ansprechen. Das kann ich! Und ich wurde so belohnt für diesen Mut. Mit einem super Gespräch. Einer aufrichtigen Entschuldigung, Erklärungen usw.

Seitdem bin ich wieder bei mir. Und so froh darüber... Und das essen fällt mir wieder leicht!!!! Klar nicht wie nem nicht ESsi, aber es ist wieder machbar. Und ich schaffe es.

Jetzt hab ich nur von mir erzählt und muss gleich in die arbeit.

Aber ich möchte dir noch viel Kraft, eine liebe Umarmung, eine dusche mit selbstfürsorge und annehmen dalassen.
Fühl dich gesehen und gemocht.

Hug!!!! Taui


Zurück zu „1. Meine Essstörung“