Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Therapie - ja oder nein? Welche Therapie hilft mir? Was hat mir sonst geholfen? Was hilft mir jetzt? Wer wohnt in meiner Gegend und mag sich mit mir treffen?

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Tautropfen
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Re: Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Beitragvon Tautropfen » So 8. Mai 2016, 11:18

Liebe rubie,

Nur ganz kurz, weil ich auf dem Sprung bin...

Mein Psychiater meinte mal 60mg wäre ihm generell bei fluoxetin zu viel. Eben aus Vorsicht vor dem serotonin-Syndrom.

Das schwitzen kann/ist aber auch eine "normale" Nebenwirkung. Ich nehme zwar ein anderes medi. Hatte das aber bei fluoxetin auch. Nur nachts. Aber so richtig schlimm. Musste mich teilweise umziehen. :shock:
Ich darf gerade reduzieren und evtl sogar ausschleichen. Da bin ich froh. Aber andererseits war ich auch viele Jahre sehr dankbar dass es die Medis gibt.

Liebe Grüße Taui

rubie
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Re: Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Beitragvon rubie » Di 31. Mai 2016, 20:19

Liebe Taui, liebes Forum,

kurz zum Stand der Dinge. Seit 30 Tagen hatte ich keinerlei Essproblematiken mehr. Ich habe auf 40 mg runtergeschraubt und wähne mich hier gut eingestellt, vorallem mit der Essproblematik. Emotional habe ich trotzdem mit Achterbahnen zu kämpfen, das Leben hält ja auch immer den ein oder anderen Schwinger bereit.

Aber die grundsätzlich Niedergschlagenheit und Antriebsarmut, der ständige Futterdrang, das ist alles weg. Ich habe normalen Appetit, esse wann ich hunger habe, das worauf ich Lust habe und öre exakt dann auf, wenn ich satt bin. WOW. Wegen dieser Stabilität scheint es, hat mein Köper sich gerade sehr wohlig in meinem Wohlfühlgewicht eingepegelt, ohne Scheiß, ich gefalle mir, verzichte jedoch auf nichts.

Aber ich stelle mich eben auch meinen negativen Gefühlen, die ichs sonsten gewohnheitsmäßig runtergekaut hätte. Und ich bin lieb zu mir. Klingt komisch, ist aber so. Ich versuche stets voll auf meiner Seite zu stehen. Einer muss es ja tun, gegen all die inneren Kritijerstimmen, die ich in mir kultiviert hatte ;)

Es liegt sicher auch an meiner neuen beruflichen Ausrichtung, daran, das ich endlich etwas gefunden habe, von dem ich weiß das es mir liegt, das mir Ruhe gibt und mich energetisiert und kräftigt in mir selbst, das hilft mir sicher auch sehr.Jahrelang habe ich so versucht Künstlerin zu sein. Aber ich habe es trotz einigen Erfolg nie geschafft mir selbstsicherheit in diesem Beruf zu erarbeiten. Das habe ich erst jetzt vor der Klasse. Obwohl ich da noch eine Menge zu lernen habe!!!

Zusätzlich habe ich kürzlich jemand kennengelernt, der mich in heftige emotionale Umlaufbahnen triggert. Er macht gar nicht viel dafür und bei mir spielen sich Dramen ab. Ich habe mir da jetzt Langsamkeit verordnet. Und Vertrauen.

Der Job, den ich schon sicher hatte, als Vollzeitlehrerin ist zunächst geplatzt. Man konnte mich an keine Schule vermitteln, bzw.nicht an dem Standort, für den ich mich entschieden habe und auf den ich mich bereits eingestellt habe, der relativ nah an meinen Freunden und meiner Familie ist. Ich werde nicht nocheinmal für eine Ausbildung an einen Ort ziehen, an dem ich nicht sein möchte. Ich habe mich also gegen den Job entschieden und muss mich jetzt unerwarteter weise neuorientieren. Ich finde alles gerade sehr herausfordernd und mich beschlich schon der Gedanke ob ich das Fluoxetin nicht hoch dosieren könnte, um es mir leichter zu machen. Absurd. Von der höheren Dosis wurde ich erst wuschig und dann zittrig. Jetzt ght es mir insgesamt gut, fast vergesse ich das ich ein antidepressivum nehme. aber dann fällt mir ein, das ich trotz des heftigen towabouhous der letzten 3 wochen, seit 6 wochen komplett essanfallfrei bin. FREI. Und die ferne, aber höcht beklemmende Erinnerung an die zeit davor lässt mich brav bei den 40 mg bleiben, damit es ja nicht wieder kommt, dieser schreckliche Ess-Brechdrang der mich so lange fest in den Klauen hatte...

Ich bin gespannt wie lange ich das Mittel vertrage, ich werde weiter berichten, es ist wirklich nicht ohne das Zeug.

rubie
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Re: Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Beitragvon rubie » Mi 1. Jun 2016, 00:48

liebe taui,

wie lange hast du insgesamt dein AD genommen? und was war es für eins und wie waren deine erfahrungen?

wie geht es dir inzwischen? und wie kommt's das ausgeschlichen werden kann? und was bedeutet das genau? und - falls ich fragen darf, welches mittel nimmst du? fragen über fragen :)

das schwitzen hat aufgehört, leicht schlafstörungen und ganz manchmal leichtes zittern der hände. also es macht schon einiges mit einem, am 7. bekomme ich eine leberuntersuchung.

jetzt bärig müde, ich freu mich von dir zu lesen!

lieben gruss und gute nacht

Loewen_maeulchen
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Re: Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Beitragvon Loewen_maeulchen » Mi 1. Jun 2016, 11:13

Liebe Rubie

danke für deinen spannenden Bericht, es ist sehr itneressant für mich zu lesen, wie es dir mit dem AD und generell weiter ergeht. Ich freue mich extrem, dass du dich auf einem guten WEg fühlst - das ist der anfang vom anfang eines anderen, besseren Lebens. sag ich mal so aus der Perspektive "post-ES" mit vollster Überzeugung, und das obwohl ich in den letzten Jahren wieder etwas fülliger geworden bin als ich eigentlich möchte!!!!! :D :roll: 8-)

Ich nehme das Fluoxetin auch weiterhin, allerdings nur 20 mg - wie gesagt, bei mir ist es ja "nur" für die Depressionen, und ich habe keine Nebenwirkungen mehr, das war echt nach zweieinhalb Wochen vorbei. Jeder ist ja anders bei so was und natürlich ist die Dosis auch geringer :-) Meine Ärztin wollte aber ein EKG machen und BLut abnehmebn, nächste woche erfahre ich, was rausgekommen ist. Nichts, hoffe ich und nehme ich an :-)

Die Wirkungen sind weiterhin deutlich spürbar, ich hab mcih fast schon wieder drang gewöhnt, stabil und "ich wie ich sein sollte und sein möchte" zu sein, und der Zustand vorher kommt mir gar nicht mehr nachvollziehbar vor, gottseidank. Vllt. probiere ich es irgendwann mal wieder ohne, aber bestimmt frühestens, wenn mein Partner SEINE seelischen ALtlasten ein bisschen aufgeräumt hat und nicht mehr so schrecklich ungrlücklich ist :-)

Es ist mir auch wichtig, weil ich merke: So kann ich auf die täglichen und unausgesetzten Forderungen und Ansprüche meiner Kinder halbwegs (naja) adäquat eingehen.

Damit meine ich natürlich nicht, dass ich immer tue was sie wollen. Aber allein schon abwägen, wo man nachgibt und wo nicht - und dann das nein durchsetzen ohne Konflikteskalation - und dann Kooperation bei Dingen wie Vorm-rausgehen-Jacke-anziehen oder nicht-einfach-auf-den-Parkplatz rennen erreichen... wie soll ich das machen, wenn ich total gereizt und todunglücklich bin? Es ist mit AD schon nicht immer ganz dolle wie ich es mache, aber wenigstens im Rahmen hoffe ich... ach, früher war alles einfach, da hat man seine Kinder einfach so in Angst und schrecken versetzt dass sie sich nie getraut hätten, aufzumucken ;) watt ne Scheisszeit, früher.

Rubie, Taui, alle, Forum - alles Liebe
LM

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Re: Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Beitragvon rubie » Sa 11. Jun 2016, 10:30

Liebes Löwenmälchen (oh ich mag diesen diesen Namen :D ),

das klingt gut. Die Frage mit der Fülligkeit ist doch im Endeffekt eine Frage der Vorbilder, oder? Es gibt so viele tolle Frauen, die in sich ruhen UND füllig sind, why not! Und es gibt dementgegen so UNZÄHLIG viele die schön dünn und schlank und zart sind und dabei eine Ausstrahlung LEIDER haben, die sagt: ich bin verzagt, ich fühle mich nicht wohl hier, mach mich unsichtbar, ect.

Darum hoffe ich, das du dir die freiheit nimmst, dich an DEINEM KÖRPER ZU ERFREUEN, genau wie er ist und so wie er deine Kinder hervorgebracht hat und täglich mit dir gemeinsam für sie sorgt (was für eine Hammerleistung das ist !!! Ich kriege das gerade bei meiner besten Freundin mit, die ihr erstes Kind vor drei Monaten bekommen hat, ALTER SCHWEDE, es ist ein Knochenjob dieses Muttersein, Chapeau, Hut ab !!!! )

Eine Übung, die mir in den letzten 8 Monaten zugute gekommen ist, ist tatsächlich nackert vor dem Spiegel stehen und mich rückhaltlos bewundern. Fiel am Anfang echt nicht leicht, mittlerweile macht es wirklich Spaß! Ich mach dasimmer nach dem Duschen, gucke mir jede Beule, jede Delle, jede Dehnungsfuge, jede Kurve an und sage: GEIL! Toller Körper!!! Und er scheint es mir zu danken, es ging mir körperlich lange nicht so prima. - Ist wahrscheinlich AUCH die Sonne, was DAS ausmacht!!!

Ja, also liebes LM, nochmal mein deutlich ausgesprochener respekt vor dir und deinem Job als Mutter, ich hoffe du schaffst es da auch mild mit dir umzugehen, denn natürlich tust du dein Bestes und natürlich kann niemand alles richtig machen und natürlich musst du auch in erster Linie schauen das es dir gut geht, damit es deinen Kids gut gehen kann durch dich - und deinen Partner. Macht der denn irgendetwas für sich? Therapie? War er beim Arzt, gibt es überhaupt Veränderungswillen? Soweit ich das beurteilen kann, scheint es so, als wär er eher auf Abwehr? Das ist natürlich noch zusätzlich belastend. Ich hoffe für dich und für euch, das er es packt sich seinen Baustellen zu stellen.

Herzliche Grüße,
rubie

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Re: Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Beitragvon rubie » Sa 11. Jun 2016, 10:51

Liebes Forum,

die Nebenwirkungen gehen mehr und mehr zurück. Ich bleibe bei 40 mg und habe vergangene Woche eine Leberuntersuchung bekommen, alle Werte im Normbereich. Erleichternd.

Essenstechnisch geht es mir weiterhin wunderbar.

Mein Leben ist eine Achterbahn und gerade steige ich gar nicht durch. WAHRSCHEINLICH gibt es jetzt doch eine Einsatzschule für mich, was meinen Traumjob wahr machen würde. Allerdings bin ich mit allen Vorbereitungen ob der Enttäuschung(en) der letzten Wochen sehr ins Hintertreffen geraten, plus die Entscheidung OB ich nun wirklich diesen zwei-jährigen Schuldienst machen werde steht noch aus, obwohl schon Ende diesen Monats ein drei-wöchiges Seminar anstünde..... und Umzug und ich müsste meinen aktuellen Job kündigen und eine neue Wohnung finden und und und.

Stattdessen hänge ich mich an meinem Liebesleben auf...

Freue mich aber unbändig, das mich immerhin die Essstörung in Ruhe lässt. Adieu Lady Bulimia, bitte komm niemals zurück, denn ich komme wirklich besser ohne dich aus. Auch wenn´s herausfordernd ist GERADE ALLES :cry: :shock: :? :roll: :?: :!: :idea: :x :P :oops: :cry: :shock: :roll: :?
Ich fühle mich stärker denn je. Wacher, selbstbewusster und selbstsicherer. ich achte mich selbst, ich kümmere mich um mich, ich stehe zu mir. STETIG. Auch wenn´s Einbrüche gibt, die ich dann aber mit Hilfe von gut gepflegten Gewohnheiten und Freundschaften abfange:


Funktionierende Startegien (um hier mal mehr zu teilen als Singlefrust und Pillen-Tipps)


- nach jeder Dusche bewundere ich meinen nackten Körper vor dem Spiegel. das klappt natürlich mal besser mal schlechter. Das mache ich wie oben schon mal erwähnt seit etwa 8 Monaten, am Anfang war´s Überwindung und Übung, weil ich es so gewohnt war an mir rumzukritteln. Jetzt achte ich jedes Detail, begrüße jede Delle, jede Kurve, jede Schwellung, jede Ader, jede Kontur. Ich suche mir gezielt Lieblingsstellen, ich lächele mich an und sage mir laut, was mir an mir gefällt. Gewöhnungsbedürftig, klappt aber und macht inzwischen spass und tut voll gut. Man kann sich das wirklich angewöhnen.

- wenn ich richtig dolle traurig bin: erlaube ich mir das. Bis zu einem gewissen Grad kann man ja gegensteuern, mit Ablenkung, drüber sprechen, sich die positive Seite der Medaille vor Augen führen... aber irgendwann ist damit auch genug. Dann lasse ich mich so richtig gehen und heule und stampfe und jammere. Nach dem Ausheulen und Rauslassen wird entweder geschlafen (hilft wirklich!!), spaziert und / oder geduscht. Schön eingecremt und warm eingepackt.

- wenn ich durcheinander bin versuche ich zu schreiben oder noch besser: mit jmd zu sprechen. Dabei achte ich darauf mein Gegenüber nicht zu überfordern und darauf, das er oder sie sich nicht zugeschwallt oder ausgenutzt vorkommt. Diese stete Kontaktpraxis hat mir viele neue Perspektiven und noch viel schöner, wunderbare tiefe und leichte Freundschaften eröffnet. Da bin ich sehr sehr dankbar, es ist wirklich gut und wichtig achtsam mit sich und den anderen UM HILFE ZU BITTEN, auch damit klar zu kommen, wenn jmd sagt: ich kann gerade NICHT oder ICH BIN ANDERER MEINUNG.

- Arbeiten (wenn´s geht) kann auch eine tolle Ablenkung sein

- Ausgehen, Tanzen, irgendwohin fahren, jemanden in einer anderen Stadt besuchen, sich eine Auszeit nehmen, die kann kurz oder lang sein

- immer offener mit meiner Essstörung und meinen Depressionen umgehen. Mich zeigen. Meine Entwicklung zeigen. STOLZ AUF MICH SEIN

- Dankbarkeit. Mir immer wieder auch vor Augen führen, WAS ICH HABE, was mein Leben reich und gut macht. Mir überlegen wie ich diese Dankbarkeit zum Ausdruck bringen kann, wie ich mich gut um die Dinge, Umstände und Personen kümmern kann, die mir gut tun, so dass auch ich ihnen gut tue.

- Ruhe. Soviel Schlaf wie möglich. warum glauben Erwachsene nur sie verdienten keinen Schlaf mehr und müssten immer schaffen ud schaffen und mehr schaffen??? Im Schlaf verarbeiten wir alles was wir lernen. Das gehört zu allen Lern/Wachstumsprozessen dazu. Gesunder, guter Schlaf. UND VIEL DAVON!!! Schlafmaske, Ohropax, Vorhänge, Mittagsschlaf zwei Stunden! Früh ins Bett und raus wenn ausgeschlafen. YEAH!

Ich hoffe euch ergeht es allen gut,
liebe Grüße
Rubie

Ela69
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Re: Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Beitragvon Ela69 » So 12. Jun 2016, 12:45

Liebe Rubie,

Schön, dass du berichtest, wie es dir mit dem AD geht. Zu dem Schwitzen kann ich dir nur meine Erfahrung sagen.
Ich habe ja immer nur 20 mg fluoxetin bekommen und habe Nachts immer dermaßen Schweissausbrueche gehabt, dass ich mich teilweise nachts umziehen musste, weil meine Schlafsachen total nass waren. In schlimmsten Zeiten sogar 2 Mal. Das ist wohl eine relativ häufige Nebenwirkung von AD 's. Nehme es zwar immer noch, doch durch das extreme Untergewicht schwitze ich nicht mehr.
Gruß,Ella

rubie
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Re: Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Beitragvon rubie » Fr 17. Jun 2016, 16:08

Hallo liebe Ella, Hallo liebes Forum,

ja, das kann ich bestätigen, gerade in der Einstellphase habe ich extrem viel geschwitzt, besonders auch nachts. Das ist mittlerweile besser geworden, sogar kaum mehr zu bemerken.

Die Schlafstörungen (eine Wachphase pro Nacht von ca. 1-2 Std) und das Händezittern, das mich manchmal kurz nach dem Aufstehen plagt, sind die unangenehmen Nebenwirkungen, die ich am unmittelbarsten mit dem AD in Verbindung bringe. Anfangs auch eine beständige Übelkeit (für mich schwer auszuhalten, weil ich gewohntermaßen, so widersinnig das auch klingen mag, immer jedwede Art von Unwohlsein mit Essen bekämpft hatte. Da hatte ich noch ein paar Essanfälle aus Gründen des körperlichen Unwohlseins.) Außerdem ist mein Imunsystem insgesamt schwächer, das kann aber auch daran liegen, das ich wieder rauche, viel arbeite und körperlich allgemein stark beansprucht bin. Trotzdem ruhe ich auch viel, mache täglich Mittagsschlaf, esse gut usw., weswegen ich es schon mit dem AD in Verbindung bringe, das ich häufiger kleine Infekte habe.

Die Heftigkeit der Nebenwirkungen ist logischermaßen zurückgegangen, als ich von 60 auf 40mg gegangen bin und auch nochmal mit der Dauerhaftigkeit der Einnahme. Vor drei Monaten habe ich mit 20 mg begonnen, erst auf 40, dann auf 60mg gesteigert, weil ich in der Phase heftige Depressionsschübe hatte. Dann habe ich aber gemerkt, dass die Wirkung mir zu heftig war (Grippesymptome, seltsame Aufgekratztheit, SUPERgute Laune, RIESENantrieb, Huschigkeit, Schwitzen, Zittern). In Absprache mit meiner Hausärztin (die mich seit Jahren kennt) bin ich wieder auf 40 mg runter und da hat es sich für mich jetzt positiv eingependelt. Mein letzter Essanfall ist Wochen her. Seither esse ich so normal wie nie.

Essprobleme habe ich weiterhin gar keine mehr, was mich total überrascht und was ich mir nur mit dem Zusammenspiel verschiedenster Faktoren erkläre. Ich hatte nämlich schon zweimal Fluoxetin genommen und in der Zeit trotzdem noch weiter unter Essanfällen, Abnehmgedanken und Erbrechen gelitten, damit gelebt, das praktiziert, wie auch immer.

Es unterstützt mich also dieses Mittel, aber ich nehme eben auch die Nebenwirkungen in Kauf. Die Wachphasen sind meistens unspektakulär, also kein fieses Gegrübele oder so. Ich freue mich sehr, nicht mehr mit dem Symptom Essstörung zu kämpfen, sondern mit den dahinterliegenden Baustellen-, also weiterhin "mit mir" - Stimmungsschwankungen, Verzweiflungsphasen, Beziehungswünschen/ängsten/problemen, Konzentrationsschwäche, Selbstzweifel. Habe aber viel Antrieb und erlebe große Stabilität insgesamt. Vorallem geht es gerade gut mit anderen zu sein, auf andere einzugehen, Konflikte auszuhalten (auch wenn´s anstrengend ist). Das liegt sicher daran, das ich gerade dabei bin mein Leben beruflich anders auszurichten und daran, dass ich meine Freundschaften und die Beziehung zu meiner Mutter als geklärt, entspannt und in steter gegenseitiger Erfüllung erlebe.

Jetzt habe ich mich entschieden mir wieder eine Therapeutin zu suchen, mit der ich mir meine Ängste und irrationalen Verhaltens/Denk/Gefühlmuster in Liebesbeziehungen angucken kann, eine Baustelle an der ich in den letzten Jahren ganz besonders zu knabbern hatte. Das Gefühl "keinen abzubekommen", nicht gut genug zu sein, ist mittlerweile der Gewissheit gewichen, dass ich große Probleme habe, mich in die verletzliche Situation einer intimen Zweierbeziehung zu begeben. Weil ich da leider keine Selbstsicherheit habe, sondern nur einem weit hergeholten Idealbild anhänge, nicht auf echte Erfahrungen und Vorbilder zurück greifen kann.

Das viele Socializing und die jüngsten Hoffnungen auf eine Liebesbeziehung, haben mich auch in verstärkten Alkoholkonsum gebracht, den ich mit Achtsamkeit verfolge und dem ich mit Maß und Selbstachtsamkeit begegne. Ich bin da, glaube ich, gut ehrlich mit mir selbst und weiß, dass ich aufpassen muss.

Ich habe nun nach einer nervenaufreibenden Zeit der Unklarheit erfahren, dass ich meinen Traumjob machen kann. Ich werde an einer Schule arbeiten und freue mich riesig darauf. Nächstes Wochenende beginnt eine drei-wöchige Fortbildung, für die ich in einem Wohnheim mit einer Seminargruppe zusammenwohnen werde. Das ist natürlich aufregend und holt mich sehr aus meiner Komfortzone (Mehrbettzimmer, neue Leute, viel viel Arbeit stehen bevor). Aber ich freue mich auf neue Menschen, darauf Neues zu lernen und auf die anstehenden Veränderungen allgemein. Auch wenn ich ein bißchen Muffe habe. Einige.
Ich habe solange in meiner Unzufriedenheit festgesteckt, oder viel mehr, gingen die Fortschritte so stockend vor sich, dass es mich jetzt gerade alles etwas überrumpelt. ie äußeren Veränderungen, ich blicke jetzt auf 8 Jahre feste Verankerung in meiner Studienstadt zurück und ich werde dieses warme Nestchen jetzt verlassen. Was gut ist, weil es mir keine Perspektiven bietet, aber auch traurig, weil ich ein saugutes soziales Umfeld zurücklasse. Und auch die innerlichen Veränderungen überrumpeln mich irgendwie. Dieses mich (scheinbar plötzlich) so Anerkennen und Mögen wie ich bin. Dieses immer besser mit mir klar Kommen. Dieses Akzeptieren, dass ich Hilfe von meinem Umfeld in Anspruch nehmen und das aushalten kann, dieses "Klein-Gefühl", diese Schuldigkeit, die damit einhergeht. Weil ich mittlerweile erfahren habe, dass es sich ausgleicht, wenn auch nicht eins zu eins zwischen den betreffenden Personen. Aber ich habe viel zu geben und ich kann endlich (wieder) geben. Endlich kann ich selbst zuverlässiger für meine Lieben da sein, das geht jetzt Hand in Hand und hat viel Zeit des Tarrierens und Übens und Klärens gebraucht, was sicher auch ein Stück weit immer dazu gehört und so weiter geht. Ich fühle mich selbstbewusst... aber so auf einmal. Natürlich bei weitem nicht immer, aber immerhin sehr häufig.

Wieso geht denn das jetzt alles plötzlich ?? Wieviel hat das mit dem AD zu tun? Habe ich mich da in eine neue Abhängigkeit begeben? Was, wenn ich es nicht mehr vertrage, d.h. die Nebenwirkungen schlimmer werden, ich aufhören muß es zu nehmen, geht dann alles wieder los?

So, ich mache jetzt hier Schluß, hat ja schon wieder epische Ausmaße angenommen hier.
Herzliche Grüße,
rubie

Loewen_maeulchen
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Re: Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Beitragvon Loewen_maeulchen » Mo 20. Jun 2016, 12:28

Liebe rubie

nur gaaanz kurz: Danke :erröt:

und wegen dem "anstrengend" - ich hab das mitgelesen und finde es sehr "sportlich" wie du es nimmst - es hat bei mir starke Erinnerungen ausgelöst, deshalb teile ich mal schnell eine von diesen Erinnerungen, vllt. kannst du was damit anfangen:

Ich bin auch eine von den anstrengenden, rede viel, zum Teil einseitig, rege mich auf, begeistere mich, verrenne mich, übertreibe es, ändere meine Richtung ... zum Teil ist das ein teil von mir, der nicht nur schlecht ist - wenn es ANDERE anstrengt - hm, es gibt auch Leute die es (gern?) ertragen.

Aber bei mir war's dann zu ES-Zeiten so, dass es mich selber anstrengte.

In meiner Klinikzeit sagte dann mal eine entnervte Mitpatientin n der Gruppentherapie "mann, du bist wie ein D-Zug wie du hier durchrast aber man kann dich ja gar nicht SPÜREN und du selber spürst doch auch nichts bei dem ganzen Krach und Tempo!" Ich war erst sehr getroffen und auch empört, besonders weil es von einer kam, die mich nervte mit ihrer Art (sie war eher still und kam schwer aus sich raus, und ich dachte "ja toll, immer mausig sein aber dann doch irgendwo verübeln wenn jemand sich den Raum nimmt, den sie nicht nimmt...") aber es gab mri dann doch zu denken und es war auch was dran.

Vielleicht passt da. wenn nicht, sorry :umarm: tolle Nachrichten das mit dem Job. alles Gute!!!

gernegroß 99
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Re: Antidepressivum Fluoxetin - Erfahrungen? Wirksamkeit?

Beitragvon gernegroß 99 » Di 21. Jun 2016, 20:10

Guten Abend!
Ich bin auch der Ansicht, dass F zunächst sehr gut gegen den Suchdruck hilft.
Meine große Hoffnung ist, dass man sich mit therapeutischer Hilfe während der Einnahme von F etwas "breiter" ;-) aufstellen kann, indem man auf die eigentlichen Kerne stößt und Veränderug zulässt. Schwieriges Untergfangen. Wäre aber ein toller Mechanismus.
Dass es v.a. nachts zu Schwitzattacken kommt, kann ich nur bestätigen, die werden aber nach Einstellung weniger und der positive Effekt überwiegt!
Alles Gute
gg


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