Umgang mit Ernährungstrends

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Irmina
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Umgang mit Ernährungstrends

Beitragvon Irmina » Do 30. Mär 2017, 19:14

Hallo Ernährungsteam

Da ich neu im Forum bin, möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin 25 Jahre jung und leide seit etwa 9 Jahren an Orthorexie. Die vergangene Zeit war geprägt von besseren und schlechteren Ernährungsphasen, wobei ich mich momentan in einer sehr guten Aufwärtsbewegung befinde. Diese wird allerdings durch die aktuellen Ernährungstrends behindert, welchen ich mich nicht entziehen kann.

Mit Beginn meiner Essstörung bin ich Veganerin geworden, aufgrund eines Klinikaufenthalts jedoch wieder auf vegetarisch umgestiegen. Nun lebe ich seit 9 Jahren konsequent vegetarisch mit Orientierung auf Vollwertkost, wobei ich immer wieder Rückfälle erlebt habe, oft in dem Versuch, mich wieder vegan zu ernähren. Mittlerweile bin ich soweit, um vermehrt auf meinen Körper zu hören und neue Dinge auszuprobieren. Zum Beispiel würde ich gerne wissen, wie sich der Konsum von Fleisch und Fisch auf mein körperliches Befinden auswirkt. Da ich seit mehreren Jahren, trotz grossen Portionen mit vielen Kohlenhydraten und Fett, untergewichtig bin, beschäftigt mich die Frage sehr, ob meinem Körper u.a. die weggelassene Nahrungsmittelgruppe fehlen könnte.

Leider kann ich nicht anders, als mich weiterhin vegetarisch-vegan zu ernähren, da insbesondere letzteres überall propagiert wird: Vegan ist gesund, vorbildlich und die Lösung für alle Probleme, u.s.w. Auch die vegetarische Ernährung gerät zunehmend in Kritik, wodurch mir auch diese Ernährung immer schwieriger fällt. In diesem Fall gäbe es ja noch die Vollwertkost, Paleo, Rohkost, Clean Eating, Fruganismus, u.s.w.

Wie kann ich mich von diesen Ernährungstrends (inkl. schlechtem Gewissen bei Nichtbefolgung) lösen und zu einer Ernährung zurückfinden, die meinem Körper und Geist guttut?

Besten Dank für Ihre Hilfe!

Liebe Grüsse

E-Beratung
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Re: Umgang mit Ernährungstrends

Beitragvon E-Beratung » Di 4. Apr 2017, 23:27

Liebe Irmina,

prima, dass du dir bezüglich deiner Essproblematik Hilfe in einer Klinik geholt hast und du dich gerade auf einem gesunden "Aufwärts-Weg" befindest!

Mit deiner Wahrnehmung, dass es angesichts der zahlreichen - und zum Teil fragwürdigen - "Esstrends" immer schwieriger wird zu beurteilen, was denn jetzt überhaupt "gesund" und "richtig" ist", liegst du völlig richtig. Auch Menschen, die nicht von einer Essstörung betroffen sind, sind angesichts des medialen "Ernährungshypes" zunehmend verunsichert.

Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus beurteilt lässt sich zunächst einmal sagen, dass die (ovo-lakto-) vegetarische Ernährung von den Ernährungsfachgesellschaften als geeignete Dauerernährung eingestuft wird. Bei einer guten Planung kommt es i.d.R. zu keinen Nährstoffdefiziten - dies gilt auch für die vegane Ernährung. Grundsätzlich ist jede Ernährungsweise möglich - vorausgesetzt, alle Makro- und Mikronährstoffe werden aufgenommen. Dies ist umso leichter, je vollwertiger und abwechslungsreicher gegessen wird. Von daher spräche also nichts dagegen, wenn du dich weiterhin vegan oder vegetarisch ernähren möchtest.

Günstige Lebensmittel für dich wären z.B. Nüsse und Samen, Hülsenfrüchte und Getreide sowie Pilze oder angereicherte Margarine für den Vitamin D-Bedarf. Hast du diese Nahrungsmittel in deinen Speiseplan integriert?

Dass du dich derzeit noch im Untergewicht befindest, liegt sehr wahrscheinlich an einem Gesamt-Energiedefizit, und nicht an einem Defizit einer bestimmten Lebensmittelgruppe wie z.B. Fleisch. Denn auch pflanzliche Lebensmittel wie z.B. Sojaprodukte, Kartoffeln und Hülsenfrüchte sind gute Energielieferanten. Grundsätzlich würde ich dir empfehlen, dir den Rat eines Arztes/Ernährungsmediziners oder einer Ernährungsfachkraft einzuholen, da wir hier aus der Ferne nicht beurteilen können, wie hoch deine tägliche Energiezufuhr tatsächlich ist.

Der Weg zu einer Ernährung, die dir guttut, führt in erster Linie über den therapeutischen Weg: Konntest du bereits herausarbeiten, warum manche Lebensmittel für dich "angstbesetzt" sind bzw. woher dieses "schlechte Gewissen", von dem du sprichst, herrührt?
Wenn du diese Fragen für dich beantworten kannst, wird es dir zunehmend leichter fallen, nach "Gefühl" zu essen - unabhängig davon, ob es sich dabei um tierische oder pflanzliche Lebensmittel handelt. Und solange nicht die "Stimme deiner Essstörung" spricht, kannst du gerne deine Lebensmittel nach deinen persönlichen Vorlieben auswählen und dich nicht zum Fleisch-Essen oder ähnlichem "gezwungen" sehen.

Wir wünschen dir alles Gute für deinen weiteren Weg!
Bikerin und das Team der E-Beratung


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